Die Zeit der Drei Reiche (220 bis 280 n. Chr.)



Die Zeit der Drei Reiche wird in chinesischen Quellen unterschiedlich datiert. Während ihr Beginn mit der Abdankung des letzten Kaisers der Han-Dynastie im Jahr 220 n. Chr. sicher ist, verlegen einige Historiker den Anfang der Zeit der Trennung Chinas
auf den Anfang des dritten Jahrhunderts, da der nominelle Kaiser faktisch bereits keine Macht mehr besaß und die reale Regierungsgewalt durch lokale Machthaber ausgeübt wurde. Ein weiterer Grund für die Uneinheitlichkeit der Datierung besteht darin, dass sich das Nordreich Wei tatsächlich bereits im Jahr 189 vom chinesischen Kaiserreich getrennt hatte. Die drei dem Han-Kaiserreich folgenden Königreiche in China trugen die Namen Wei für das Nordreich, Wu für das Südreich und Shu Han für das Westreich. Der Herrscher Westchinas stellte sich als legalen Nachfolger der Han-Kaiser dar. Die offizielle Geschichtsschreibung Chinas bezeichnet den Zeitraum von 220 bis 280 n. Chr. als Zeit der Drei Reiche, diese Betrachtung wird jedoch dem Umstand nicht gerecht, dass das Westreich Shun Han bereits 263 durch das Nordreich Wei erobert wurde. In den Jahren davor haben die Herrscher des Westreiches mehrfach vergeblich die Eroberung Nordchinas versucht, um der abgesetzten Han-Dynastie wieder zur Geltung zu verhelfen.

Im Jahr 280 vereinigte Jin Wud das Land wieder und begründete die Jin-Dynastie. Obzwar die Zeit der Drei Reiche nur sechzig Jahre andauerte, ist sie fest im Bewusstsein nahezu aller Chinesen verwurzelt. Dazu trägt der Roman “Die Geschichte der Drei Reiche“ von Luo Guanzhong wesentlich bei, der zu den chinesischen Klassikern zählende Autor lebte von 1320 bis etwa 1400. Sein Roman stellt einige der Handelnden aus der Zeit der vorübergehenden Trennung Chinas in drei Reiche als Halbgötter dar und vermischt die tatsächlichen Ereignisse gekonnt mit Legenden. Der Roman über diese Zeit gehört zu den vier klassischen literarischen Werken des Landes. Die feste Verankerung der sechzigjährigen Aufspaltung in drei getrennte Reiche überrascht jedoch hinsichtlich der im chinesischen Geschichtsverständnis vorherrschenden Betonung der Einheit des Landes. Zwischen den drei chinesischen Königreichen herrschte ein nahezu permanenter Kriegszustand mit verteilten militärischen Erfolgen. Die erneute Einigung des Landes erfolgte durch einen militärischen Erfolg von Sima Yang. Dieser hatte zunächst im Nordreich Wei den letzten König der dort herrschenden Wei-Dynastie abgesetzt und in den Jahren 219 und 220 das Südreich erobert.







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