Die Hagia Sophia



Bei der Hagia Sophia in Istanbul handelt es sich um ein Bauwerk, welches ursprünglich als Kirche errichtet war und nach der Eroberung Konstantinopels durch das osmanische Heer zu einer Moschee umgewidmet wurde. Heute ist
die Hagia Sophia ein Museum. Dort finden keine regelmäßigen Ausstellungen statt, sondern die Basilika als Gebäude stellt den Ausstellungsraum ebenso dar wie den Ausstellungsgegenstand. Die Widmung der Kirche, deren Name übersetzt "Heilige Weisheit" lautet, kann sich auf eine Heilige namens Sophia beziehen, wahrscheinlicher ist jedoch die Anspielung auf einige Stellen in der Bibel, welche die Tora mit der Weisheit gleichsetzen. Die Hagia Sophia wurde im sechsten Jahrhundert errichtet und stellt die erste Kuppelkirche dar, welche auf nur vier Säulen beruht. Der letzte christliche Gottesdienst in der Basilika fand am 29. Mai 1953 statt, der Legende nach soll die Umwandlung der Kirche in eine Moschee bereits einen Tag später vollendet gewesen sein.

Tatsächlich hat der Umwandlungsprozess einige Monate in Anspruch genommen, da recht große Veränderungen erforderlich waren. So mussten nicht nur Kreuze als christliches gegen Halbmonde als islamische Symbol ausgetauscht werden, sondern auch sämtliche nur entfernt an Bilder erinnernde Gegenstände wurden ebenso aus dem Gebäude entfernt wie liturgische Gegenstände. Die meisten Abbildungen, welche Menschen zeigten, waren allerdings bereits im neunten Jahrhundert aus der Kirche fortgeschafft worden, da sich im orthodoxen Bilderstreit die Gegner menschlicher Abbildungen durchsetzen konnten. Zur ursprünglich christlichen Ausstattung gehören jedoch die vier Erzengel-Figuren, welche die Kuppel zu tragen scheinen. Ihr Erhalt ist nicht verwunderlich, da der Glaube an Engel dem Islam nicht fremd ist, auch wenn sie nicht die gleiche Verehrung wie in einigen christlichen Kirchen erfahren. Eine weniger dramatische Umwandlung ihres Verwendungszwecks erfuhr die Basilika bereits während des dreizehnten Jahrhunderts, als von 1204 bis 1261 die Republik Venedig Konstantinopel vorübergehend erobert hatte und in der Hagio Sophia katholische Messen gelesen wurden. Den letzten Gottesdienst in der Kirche hielten orthodoxe und katholische Geistliche gemeinsam ab.

Die Entscheidung, das Gebäude künftig als Museum zu nutzen, traf im Jahr 1934 Atatürk als erster Ministerpräsident der modernen Türkei. Zum Konzept des Museums gehörte von Anfang an, die langjährige Nutzung des Gebäudes als Gotteshaus zweier Religionen deutlich zu machen. So wurden einige von den muslimischen Nutzern des Gebäudes übermalte christliche Mosaike wieder freigelegt und zeigen dem Besucher des Museums ansatzweise die ursprüngliche Ausschmückung der Basilika an. Es wurde ein Kompromiss gefunden, die ursprüngliche kirchliche Ausstattung wieder erlebbar zu machen, ohne dabei die muslimischen Einbauten und Veränderungen vollständig aufzugeben. Das Konzept kommt auch im Namen des Museums, welcher Hagia-Sophia-Moschee-Museum lautet, zum Tragen.

Urlauber erleben einen Besuch des Museums als sehr eindrucksvoll und geben mehrheitlich an, dass auch das heute weltlich genutzte Gebäude weiterhin seine ursprüngliche religiöse Würde ausstrahlt. Konsequenterweise sollten Besucher dort auch nicht wie am Strand gekleidet sein, sondern sich wie bei einem Besuch einer Kirche oder Moschee anziehen.

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