Die Tang-Dynastie (618 bis 907)



Die Zeit der Tang-Dynastie wird in der chinesischen Geschichtsschreibung als eine Blütezeit des Reiches betrachtet. Außenpolitisch wurde der chinesische Machtbereich während dieser Zeit oft erweitert, wobei Eroberungen in Zentralasien und auf der
Halbinsel Korea aber überwiegend keinen dauerhaften Bestand hatten. Die Heirat der chinesischen Prinzessin Wen Cheng im Jahre 641 mit dem damaligen tibetischen Herrscher wird seitens der chinesischen Volksrepublik noch heute als ein Indiz für die frühe Abhängigkeit Tibets von China gewertet und zur Rechtfertigung der gegenwärtigen Herrschaft über das tibetische Hochland herangezogen. In Tibet wird die Kaiserin zwar als Bodhisattva verehrt, politisch wird sie jedoch als nur eine Frau des tibetischen Kaisers Songtsen Gampo verstanden, dessen Eheschließung mit ihr die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den selbstständigen Kaiserreichen Tibet und China fördern sollte. Bodhisattva bedeutet Erleuchtungswesen, die Berufung auf vorbildlich gelebt habende Männer und Frauen soll zu einem eigenen Leben gemäß der buddhistischen Tradition beitragen.

Aus der Zeit der Tang-Dynastie stammt auch die Kenntnis über die einzige überlieferte chinesische Kaiserin. Wu Zetian regierte von 625 bis 705. Sie selbst nannte sich nach der erfolgreichen Besteigung des chinesischen Kaiserthrons Wu Zhao. Da die Kaiserin eigentlich nicht der Tang-Familie entstammte, sondern zunächst als Konkubine und später als Gattin des Tang-Kaisers fungierte, sehen einige Historiker ihre Herrschaft als Unterbrechung der Tang-Dynastie an und betrachten ihre Regierungszeit als eigene Zhao-Dynastie. Diese besteht aus ihr, eventuell lässt sich ihr Sohn dieser noch zurechnen, obgleich er einen Tang-Kaiser als Vater hat. Wu Zhao folgte ihrem Sohn nach einigem taktischen Zögern auf den Kaiserthron und wird zum Teil als erste buddhistische Kaiserin Chinas betrachtet. Ihre Nähe zum Buddhismus ist belegt; nicht ausgeschlossen werden kann jedoch, dass auch Kaiser vor ihr sich der Religion verbunden fühlten, zumal es im Buddhismus keine formale Mitgliedschaft gibt.

Die Kaiserin wurde während einer schweren Krankheit zum Abdanken gezwungen und verstarb 710. Möglicherweise hätte wenige Jahre später die Kaisergattin Wei ebenfalls den Thron besteigen können, da sich ihr regierender Sohn Ruizong als schwach erwies. Xianzong tötete jedoch seine Mutter und erhob sich selbst zum Kaiser, seine Regierungszeit dauerte von 713 bis 756 an. Der neue Kaiser wird von der Mehrheit der chinesischen Historiker als ein Kaiser des Friedens bezeichnet; diesem steht jedoch gegenüber, dass er im Jahr 744 buddhistische Mönche zwangsweise in den Laienstand zurückversetzte. Zudem bezieht sich der Frieden ausschließlich auf die Innenpolitik des Kaisers, außenpolitisch war er regelmäßig in Kämpfe verwickelt, bei welchen er sich überwiegend Versuchen erwehren musste, die Kontrolle über die Seidenstraße zu gewinnen. Letztendlich konnte Xianzong sich nicht gegen eine Intrige seiner eigenen Hofbeamten behaupten, welche die Regierungsgeschäfte faktisch an sich rissen. Er floh nach Chengdu, wo er zugunsten seines Sohnes Suzong abdankte. Den letzten Auslöser zur Flucht gab der An-Lushan-Aufstand. An Lushan war ein Adoptivsohn der kaiserlichen Konkubine Yang Guifei. Der An-Lushan-Aufstand konnte zwar niedergeschlagen werden, dies gelang aber nur mit der Hilfe des Turkvolkes der Uiguren, wodurch der Staat innenpolitisch geschwächt wurde.

Eine weitere Auswirkung des An-Lushan-Aufstades bestand in einer Ablehnung der im Land lebenden Ausländer. Diese wurden verpflichtet, sich wie Chinesen zu kleiden und zu verhalten, das Festhalten an der traditionellen eigenen Kultur führte zur Ermordung. Der Buddhismus wurde als fremde Religion in China ebenfalls verboten, Kaiser Tang Wuozong ließ Klöster und Schreine der Buddhisten im Land zerstören. Nachdem er die Uiguren besiegt hatte, erließ er ein weiteres Verbot gegen den Manichäismus. Der letzte Kaiser der chinesischen Tang-Dynastie, Tang Aidi, regierte von 904 bis 907. Er wurde durch einen Staatsstreich abgelöst, welcher die Zeit der fünf Dynastien einleitete.

Zu den Errungenschaften der Tang-Dynastie gehörte eine Landreform, welche die Leibeigenschaft abschaffte und Kleinbauern zunächst einen für ihren Lebensunterhalt ausreichenden Landbesitz zusprach. Zugleich blühte der Handel entlang der Seidenstraße, solange er nicht durch kriegerische Auseinandersetzungen beeinträchtigt war. Die ersten Spuren des Christentums in China datieren aus der Zeit der Tang-Dynastie. Die Tang-Dynastie erlebte jedoch auch eine Spaltung des Landes, da der Staat Nanzhao 750 erfolgreich seine Unabhängigkeit erklärte. Das Staatsgebiet umfasste weite Teile der heutigen chinesischen Provinz Yunnan und konnte seine Eigenständigkeit durch geschicktes diplomatisches Taktieren mit den Interessen Chinas und Tibets bis zum Jahr 907 halten.







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